Strenge Aura

5. Februar bis 6. März 2011

Eröffnung: Freitag, 4. Februar 2011, 19 Uhr
Künstlergespräch: Freitag, 25. Februar, 19 Uhr

»Die Spur ist die Erscheinung einer Nähe, so fern das sein mag, was sie hinterließ. Die Aura ist Erscheinung einer Ferne, so nah das sein mag, was sie hervorruft. In der Spur werden wir der Sache habhaft – in der Aura bemächtigt sie sich unser.«

Walter Benjamin.
Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1936

Mit Arbeiten von Sylvia Doebelt, Eduard Klein, Daniel Schörnig, Adrian Sauer

Das Eindringen der Kamera in das Leben zerstört die Eigenheit der Dinge – so die stark reduzierte Antwort Walter Benjamins auf die technische Revolution der 1920er-Jahre. Die Frage nach der Entfremdung gegenüber dem Vitalen, von dem Benjamin ausging, stellt sich im 21. Jahrhundert auf eine neue Art und Weise: Was bedeutet Vitalität und was Visualität?

So schlicht die Fragestellung scheint, kann sie durch die zunehmende Digitalisierung und Versozialisierung von digitalen Welten doch nicht einfach beantwortet werden. Auch wenn seit jeher Manipulationen und Abstraktionen die visuelle Kultur bestimmen, bedeutet der heutige, alltägliche Umgang mit Artefakten, die multifunktional Bilder herstellen, übertragen und archivieren können, eine neue Dimension, da die Möglichkeiten der Veränderung bereits im Artefakt selbst angelegt sind. Ein externer, bewusster Eingriff, um das Gegenüber als Abbild zu verändern, wird damit obsolet. Kann daher überhaupt noch von der ›Geste des Fotografierens‹ gesprochen werden? Was fasziniert am Spiel mit dem Licht? Oder führt die Ablösung der analogen Fotografie und dem damit einhergehenden technischen Wandel auch zu einem Verlust der Erfahrung und Erinnerung an das ›tatsächliche‹ fotografische Bild? Welche Möglichkeiten bestehen im Kunstfeld, um eine Irritation von Wirklichkeit und technischer Reproduzierbarkeit herbeizuführen? Unter dem Titel ›Strenge Aura‹ zeigt der Kunstverein Leipzig vier zeitgenössische Positionen, die sich ganz explizit mit dem Phänomen der technischen Reproduzierbarkeit und Wahrnehmung auseinandersetzen. Sie hinterfragen die Möglichkeit der Archivierung und Abstrahierung von Wirklichkeit. Welche Spuren finden sich in den künstlerischen Arbeiten, die eine Eigenständigkeit entwickeln und die betrachtende Person ›bemächtigen‹?

Mit Arbeiten von:

Sylvia Doebelt * 1977 in Dresden, lebt in Leipzig, 2002-2009 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in den Fachklassen von Prof. Timm Rautert, Prof. Astrid Klein, Prof. Christopher Muller

Eduard Klein * 1976 in Neustadt/ Rumänien, 1997-2001 Studium Architektur an der RWTH Aachen, 2001-03 Studium Kommunikationsdesign an der Uni/ GHS Essen, 2003-10 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Klasse für künstlerische Fotografie, 2010 Diplom bei Prof. Christopher Muller

Daniel Schörnig * 1965 in Leipzig, 1989-1995 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, 1995 Diplom Medienkunst bei Prof. Helmut Mark, 2000 Meisterschüler bei Prof. Helmut Mark

Adrian Sauer * 1976 in Berlin, lebt in Leipzig, 1996-1997 Bildredakteur und Fotograf, scheinschlag, Berlin, 1997-2003 Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Fachklasse Fotografie bei Prof. Timm Rautert, 2003 Meisterschüler bei Prof. Timm Rautert

Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Leipzig, Kulturamt.